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Koslars Kolumne:

Kölsch & Kabänes
von bedrohten Arten
Als ich noch ein junger Bursch war und noch nicht auf dem liederlichen Pfad des korrupten TV-Geschäftes wandelte, schlich ich mich eines Tages während der vierten Unterrichtsstunde von meiner Schule, dem AMG in der Ottostraße, davon und machte meine erste wundersame Erfahrung mit der Ehrenfelder Gastronomie. Ich betrat das HOT APPLE, die erste Ehrenfelder Szene-Kneipe extra für Leute unter 55 Jahren. Ein buntes, junges Völkchen tumelte sich dortens, ich fühlte mich auf anhieb wohl und frug mich warum es nicht noch mehr von solchen wunderschönen Orten gab. Scheinbar stellten sich eine Menge Leute diese Frage und es dauerte nicht lange bis neue Kneipen und andere Lokalitäten, für junge Menschen aus dem Boden schossen. Da gab es die berühmt-berüchtigte RUINE, mit einer Pissrinne für alle (männlichen Gäste), das UNDERGROUND folgte, das HERBRANDS mit seinem verträumten Biergarten an der Bahnstrecke, das CAFE SEHNSUCHT, das HEMMER, und, und und (...und in allen war ich schon zumindest einmal stockbesoffen). Eine zeitlang so schien es, war Ehrenfeld aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und eine Insel der Glückseligen. Man brauchte sich nicht mehr hinter Nippes zu verstecken. Ehrenfeld war gastronomisch „in“. Die goldenen neunziger Jahre waren es.

Doch beginnend mit dem neuen Jahrtausend begann auch der große Überlebenskampf für die Kölner Kneipen – von denen jede dritte – laut EXPRESS – dicht machen muß. Mit zunehmender Kneipendichte wurde auch das Publikum verwöhnter: Events mußten her, jede noch so kleine Bühne wird bespielt mit Kabarett und Comedy und wer keinen Beamer hat, um wichtige sportliche Ereignisse zu übertragen, der wird’s immer schwerer haben sein Publikum zu ziehen. Dabei ist es gar nicht so einfach für einen „normalen“ Kneipier Veranstaltungen zu organisieren und dabei auch noch was zu verdienen. Unlängst erklärte mir ein befreundeter Gastwirt, wie er eigentlich kalkulieren muß, damit er auch noch was dabei verdient: Bei einer Ladengröße von 200 qm und bei einem Eintritt von 10 Euro für ein Kneipenkonzert verlangt die GEMA 157 Euro. Das heißt, wenn nur 50 Leute kämen – und das ist der normale Durchschnitt – bekäme die GEMA 40% vom Eintritt. Darin ist noch nicht enthalten, das Geld für die Band oder der Verdienst für den Gastwirt. Entschließt man sich aber als Gastronom keine Veranstaltungen mehr auszurichten, dann bleiben sukzesszive immer mehr Gäste der Kneipe fern.
Auch die Verpächter sollten einmal Gedanken darüber machen, ob zu hohe Pachten überhaupt einen Sinn machen, wenn die Kneipen sich dann nicht länger als zwei drei Jahre halten können.

Kein Wunder also, daß man momentan viele leerstehende Kneipen in Ehrenfeld, und nicht nur dort, ohne Ablösegeld stante pede übernehmen kann. Bloß wer will das schon?! Die blühende Kneipenkultur wie sie sich rasch in Ehrenfeld entwickelte und die viel zum positiven Image des Stadtteils beitrug ist bedroht.

Natürlich gibt’s es nicht mehr die RUINE, HOT APPLE oder andere Kneipen, die längst ins selige Biernirvana eingegangen sind. Dennoch sollten wir unsere Kneipen hegen und pflegen und unterstützen. Wie? Mit Durst.
In diesem Sinne: „He Jung, dun mer ens noch zwei Kölsch un eine Kabänes“.

Bis neulich,
Ihr Michael Koslar
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