| Wer geht schon gerne ins Krankenhaus? Sie etwa? Eben! Ich auch nicht. Aber
mein Freund und Arbeitskollege Albert musste sich einer kleinen
Abszessoperation unterziehen. Und so begab er sich ins Sankt Franziskus
Krankenhaus - in Ehrenfeld auch liebevoll "Klösterchen" genannt. Also machte
ich mich auf den Weg, besuchte ihn und fand ihn Zigaretten rauchend am
Vorplatz des Krankenhauses sitzend. Der Vorplatz des Klösterchens ist schon eine kleine Welt für sich. Hier sitzen sie alle: die Beinbrüche in ihren Rollstühlen, die alte Frau Schmitz mit ihrem Infusionsständer, die mit dem türkischen Gemüsehändler, dem jetzt der Blinddarm fehlt über ihre Bettnachbarin tratscht. Alle haben eins gemeinsam. Sie versuchen die Zeit zwischen den Highlights des Klösterchens also: Frühstück, Mittag- und Abendessen irgendwie schnell rumzukriegen. Und so sammelt sich alles an diesem kleinen, im achtziger Jahre Look gehaltenen, Vorplatz und schaut auf die Menschen die vorbeigehen. In diesem gelassenen Zuschauen und Abwarten der Kranken liegt fast schon etwas Mediterranes. Zuschauen, rauchen, zum Büdchen schlurfen, sich die Express holen, wieder zum Vorplatz, hinsetzen, zuschauen, rauchen und so weiter. Als ich mit Albert so draußen sitze, kommt eine Frau auf uns zu. Sie sieht ein wenig vorgealtert aus, so als ob schon "viel an ihr gesungen wurde" (wie mein Kumpel Roberto zu sagen pflegt). In der Hand hält sie eine Hundeleine und an der Leine ist ein Huskie. Sie fragt uns, ob wir kurz auf den Hund aufpassen könnten, sie müsste nur kurz im zweiten Stock eine Tasche abgeben. Klar, kein Problem. Der Huskie hört auf den Name WINNETOU, immer noch besser als PEPSI COLA, denke ich und kraule den jungen Hund. Albert und ich merken schnell daß, wenn man mit einem jungen süßen Hund vor dem Krankenhaus sitz, sich die Chancen von netten Krankenschwestern angelächelt zu werden vervierfachen. Die Zeit vergeht, aber die Hundebesitzerin bleibt verschwunden. WINNETOU fängt an zu jammern. Aus Alberts Zimmer im ersten Stock ruft Astrid, die Krankenschwester zu ihm herunter: "Herr Klein, kommen sie hoch, ihr Mittagessen wird kalt" Irgendwie süß und beinahe familiär. Während sich Albert also in sein Zimmer begibt und zu Mittag isst - es ist ja mittlerweile auch schon 11:15h - sitze ich immer noch alleine mit dem Hund rum. Frau Schmitz kommt mit ihrem Ständer angerollt und setzt sich zu mir. "Is dat dinge Hungk?" Ich verneine "Denne is et doch vell zu wärm he, die kumme doch eijentlich us Alaska." Tja, jetzt wissen wirs endlich: WINNETOU kommt aus Alaska und Albert kommt vom Essen zurück. Endlich - nach gut anderthalb Stunden - kommt auch die Hundebesitzerin zurück. Und wieder neigt sich ein ereignisreicher Mittag dem Ende zu. Ein Mittag den man im "normalen" Leben nicht wirklich mitkriegen würde, am Vorplatz des Klösterchens ist das aber anders. Ich schwinge mich auf mein Rad, fahre nach Hause und werde Albert am späten Abend noch mal besuchen. Dann habe ich fünf Flaschen Kölsch im Rucksack und rufe durch sein offenes Zimmerfenster im ersten Stock: "Albi, kumm erunger, ich han Bier mit" Und dann sitzen wir abends wieder zusammen, rauchend und trinkend und schauen den netten Schwestern nach, die gerade von ihrer Schicht kommen. Das ist der Vorplatz des Sankt Franziskus Krankenhauses. Das ist Ehrenfeld. Ihr Michael Koslar |















