| Meine beiden Mitbewohner Albert und Arnava und ich selbst wurden unlängst gefragt, ob wir nicht Lust und Laune hätten mit unserer Bukoswki-Lesung (auf und mit Kölsch und Blues) im Bürgerzentrum Ehrenfeld bei der vierten langen Nacht der Theater aufzutreten.
Na klar, machen wir das, haben wir gesagt - ist ja schließlich für ´nen guten Zweck. Denn der Erlös bei der langen Nacht der Theater wird aufgeteilt und fließt in die Kassen der privaten (sprich: nicht subventionierten) Theater Kölns - und das sind jede Menge.
Und so bekamen wir am Samstag den 2.10. direkt zwei Gigs - einen um 23.00h und den anderen um 0.30h.
Was ich nicht bedacht hatte, war, dass ich davor mit Albert meine eigene Show im "Wutzstock" hatte: Kick the King. Kaum hatten wir die Show beendet, es war gegen 22.20h, packten wir hektisch unsere sieben Sachen zusammen und spurteten zum BÜZE. Irgendwie hatte ich es im Gefühl, dass sich kein Schwein für unsere Lesung interessieren würde. Und schon gar nicht um diese Uhrzeit. Ach, das BÜZE in Ehrenfeld, ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Industrie, Ecke Venloerstraße, Herbrandstraße. Mit seinem achtziger Jahre Charme, der roten Schrift auf der grau-gestrichenen Mauer und dem kleinen Park, mit seinem braun-grün gefleckten Rasen und Schachbretttischen, die als Kölschflaschenabstellplatz herhalten. Für mich eine Art Institution, die in Ehrenfeld die Vorreiterin der Kulturszene war. Bedenkt man, die Gerüchte, die über das BÜZE im Umlauf sind - die Politik zieht sich finanziell aus der Unterstützung zurück, das Sponsoring soll zukünftig nur noch aus privaten Quellen kommen - kann man schon mal sauer werden.(Anmerkung der Redaktion: Wir haben nachgefragt! Lesen Sie selbst was an den Gerüchten dran ist!) Tja, so ist das in der Kommunalpolitik - und nicht nur da: Zuerst stirb die Kultur, dann das Viertel...und zu guter letzt wissen die eigenen Enkel schon gar nicht mehr wer Karstadt, geschweige denn der Herr BÜZE war. Da entstehen in Köln auf einmal riesige Löcher, die nicht mehr gefüllt werden können. Siehe Neumarkt. Und danach geht's auch schon stante pede den weniger protegierten Sportarten an den Kragen. Wie zum Beispiel dem Radsport. Mein verstorbener Vater, Dieter Koslar (Leiter des einzigen Kölner Profiradsportteams "Team Cologne") konnte ein Liedchen davon singen. Aber Hauptsache, wir haben jetzt ein Rhein-Energie Stadion, oder? Doch verzeihen Sie mir den kleinen Exkurs... Als wir im BÜZE ankamen spielte grade im großen Saal der Kabarett-Klub vor großem Publikum. Im kleinen Saal hingegen, in dem wir unsere erste Lesung halten sollten, spielte Eric, ein Mundharmonikavirtouse. Ihm sahen acht Zuschauer zu und mir wurde noch mulmiger. Wenn der nur acht Leute ziehen konnte, wie sollte dann unsere Lesung erst ausfallen? Eric kam zum Schluß - nassgeschwitzt und ausgepowert. Wir bauten auf. Albert und ich sortierten unsere Texte und Arnava stimme seine Akustikgitarre. Und - oh Wunder - nicht nur, dass die acht Leute sitzen blieben, nein es kamen sogar mehr hinzu! Arnava startete also mit einem dem Bluessong "Nobody wants a loser" und hatte die Zuschauer direkt auf seiner Seite. Albert las die erste Bukowski Kurzgeschichte auf Kölsch... Nun, muß man dazu sagen: Bukowski ist natürlich nicht was für jedermann. Man hält uns oft vor: "Man Bukowski, da geht's doch nur ums saufen und ums pimpern!" Und wir antworten stets darauf keck: "Stimmt!" Also als Albert mit der ersten Story loslegte, verloren wir natürlich ein paar Zuschauer wieder; sei es aus dem Umstand heraus, dass er Kölsch las oder weil die Geschichte, dem Einen oder der Anderen etwas zu anzüglich erschien. Danach ich noch eine Geschichte, dann wieder Albert und dazwischen Arnava. Am Ende hatten wir das Publikum soweit, das sie beim letzten Song sogar mitklatschten. Und was mich noch mehr überraschte, als wir zehn Minuten später im großen Saal auftraten, waren nicht nur die Leute von unserer ersten Lesung anwesend, sondern es kamen noch mehr dazu. Das war mehr als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Erst später verriet mir Christian, der den Ablauf der Theaternacht im BÜZE organisiert hatte, daß das BÜZE Ehrenfeld, die einzige Spielstätte war, bei der im Vorverkauf die Startertickets ausverkauft waren. Hinzu kommt, dass das BÜZE zum ersten Mal an der Theaternacht teilgenommen hat und das Experiment gewagt hat, zeitgleich dem Publikum ZWEI Spielstätten (eben den großen und den kleinen Saal) zu präsentieren. Die Organisatoren schätzen, das rund 500 Zuschauer an diesem Abend im BÜZE ein- und aus gingen. Vergleicht man dies mit den zirka 5000 Tickets die insgesamt verkauft worden sind, bestreitet die Ehrenfelder Einrichtung rund 1/10 der gesamten Theaternacht. Und deswegen bin ich irgendwie stolz, nicht nur weil unsere Lesung gut ankam, sondern auch weil die Ehrenfelder Engagement und Enthusiasmus zeigten, denn Unterstützung kann das BÜZE in diesen Tagen auf jeden Fall gebrauchen. Ich verbeuge mich nochmals gerne vor so einem Publikum, nicht nur in meinem Namen, sondern im Namen aller, die als Künstler am 2.10. mit dabei waren. Die Kölner Theaternacht im BÜZE Ehrenfeld - nächstes Jahr auf jeden Fall vormerken. Bis neulich, Ihr Michael Koslar |















